Lieder meines Lebens – Folge 2
1 – Das ist mir wichtig (nach Metallica – Nothing Else Matters)
Metallica haben diese wunderbare Hymne geschaffen – leider bin ich inhaltlich anderer Meinung, was die ausschließliche Wichtigkeit der Beziehung zum jeweiligen Partner angeht. Nicht, dass ich diese nicht auch sehr wertschätze. Aber es gibt doch noch ein paar andere Dinge.
2 – Die schlesischen Weber (Heinrich Heine 1844) – Schmetterlinge (1977)
Die Industrialisierung im 19. Jhdt. brachte es mit sich, dass viele Handwerker von der industriellen Produktion verdrängt wurden.
Die schlesischen Weber waren damals sehr hart davon betroffen, da ihre Lebensgrundlage wegbrach und sie in ihrer Region kaum Ersatz finden konnten. Ganze Familien verhungerten mangels Einkommen und in Folge von Missernten, die die Lebensmittel verteuerten.
Der Weberaufstand 1844, mit dem sie gegen ihre untragbare Lebenssituation aufbegehrten, war der erste gewaltsame Aufstand dieser Art. Er richtete sich gegen die Tuchfabriken, die ihnen die Arbeit nahmen. Er wurde blutig niedergeschlagen, es gab 11 Tote und viele Verletzte.
Er zeigte aber ganz Europa das Potential sozialer Proteste von verarmten Massen. Nur einen Monat nach dem Aufstand hat Heinrich Heine ihre Wut in den folgenden Text gepackt, und die Schmetterlinge haben ihn vertont.
3 – Jalava – Schmetterlinge (1977)
Wir bleiben noch bei den Schmetterlingen – wir schreiben das Jahr 1917, und ein Zug fährt von Finnland nach Russland.
An Bord ist, wie auch schon im Sommer 1917, Wladimir Iljitsch Uljanow, bekannt als Lenin, damals Vorsitzender der Bolschewiki, der aus dem finnischen Exil zurück nach Russland geschmuggelt werden sollte.
4 – Vier Wände – Rio Reiser (1990)
Dieses Lied fiel mir erst vor einigen Wochen vor die Füße – und es gefiel mir. Forderte er noch 1972 „Reißt die Mauern ein, die euch trennen“, kommt er hier doch zu einer differenzierteren Sicht auf die Architektur.
5 – Mmm Mmm Mmm Mmm – Crash Test Dummys (1993)
Eine stimmungsvolle Ballade, die von drei Kinderschicksalen berichtet. Alle drei leiden unter unverschuldeten Besonderheiten, die zu Ausgrenzung und Verspottung führen können.
6 – Die Ballade von Lucy Jordan – Shel Silverstein / Marianne Faithfull (1979)
Eine beeindruckende Ballade über die Nöte und psychischen Belastungen einer Hausfrau in den Suburbs, den Vororten der großen Städte.
7 – Ruby, Don’t Take Your Love to Town – Mel Tillis (1967) / Kenny Rogers (1969)
Ein Song, der die Bitternis des Lebens eines schwer verwundeten Kriegsinvaliden in einem freundlichen Country-Sound schildert – ich vermute, der Song ist deswegen oft missverstanden worden.
8 – Anthem – Leonard Cohen (1992)
Leonard Cohen darf natürlich nicht fehlen im Kanon der Lieder, die mich beeindruckt haben. Zuerst bereits 1968, als ich das erste seiner Lieder hörte, „Suzanne“, auf einem knallbunten Vinyl-Sampler.
Hier fordert er uns auf, die Glocken zu läuten, um aufzurütteln, bevor alles zu spät ist.
9 – Apeman – The Kinks (1970)
Auch die Kinks haben sich durch ihre pointierten Texte in die Reihe der fortschrittlichen und kritischen Bands gestellt.
Hier lässt sich die Message so zusammenfassen: Weg mit der nuklearen Bedrohung und der Überbevölkerung und den Staus auf den Straßen und den verrückten Politikern – zurück in den Dschungel!
10 – Pickelsong – BG
Ein kleiner Rundumschlag auf vieles, was mir Pickel verursacht.
Nun kommen wir zu meinen eigenen Werken.
11 – Spiegelwand – BG
Ich habe ca. 25 Jahre in direkter Nachbarschaft zu der besungenen Spiegelwand gewohnt und bin jeden Tag daran vorbei gelaufen, bis es mich gepackt hat, endlich einen Song darüber zu schreiben.
12 – 28 Stolpersteine – BG
Vor einem Steglitzer Haus findet sich eine ganze Reihe Stolpersteine, 28 Stück in einer Reihe. Als ich das sah, wusste ich: Das ist ein Thema für dich.
Die folgenden Lieder sind meine Vertonungen von Gedichten von Theodor Kramer, einem jüdischen Sozialisten und Lyriker aus Österreich (1897 – 1958).
13 – Die Wahrheit (1938)
Das folgende Gedicht spiegelt das Leben im aufkeimenden Faschismus.
Noch eine kurze Erklärung für die, die im Österreichischen nicht so zu Hause sind:
Ein „Greisler“ ist ein Einzelhändler,
„von selbst von hinnen heben“ meint: selbständig hier weggehen, das Land verlassen.
14 – Wer läutet draußen an der Tür? (1938)
Dieses Gedicht beschreibt sehr gut die unterschwellig bedrohliche Situation von Juden im Faschismus. Schon das Klingeln an der Tür ist Auslöser für Angst und Unsicherheit.
15 – Ich möchte nicht alt werden hier (1941)
Kramer war stark in seiner österreichischen Heimat verwurzelt und tat sich mit der Gewöhnung an sein englisches Exil sehr schwer. Das folgende Gedicht gibt einen Eindruck davon.
16 – Vom Geist (1952)
Kramer war jedoch nicht nur ernst und schwermütig, er beschäftigte sich in seinen Gedichten mit allen möglichen Facetten des Lebens. Er konnte auch satirisch sein.
17 – Für die, die ohne Gräber sind (1947)
Noch einmal zurück zu den ernsten Kapiteln des Lebens: Nach den Gräueln des Krieges, auch des ersten Weltkriegs, an dem er als Soldat teilgenommen hatte, schrieb er das folgende Gedicht.
18 – Nachtlied (1954)
Zum Abschluss des heutigen Programms nun noch ein bissiger Gute-Nacht-Gruß.
(Leider kann ich die Texte von Theodor Kramer hier nicht veröffentlichen, da sich der Verlag hierzu nicht äußern mag. Unverständlich.)

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gespielt am 07.03.2026 im Karl-Wulff-Saal beim Blindenhilfswerk Berlin
und am 14.03.2026 im Buchladen Primobuch
