Der Kahn

Der Fluss rollt träge in seinem Bett
der Diesel brummt und schreit nach Fett
Der Kaffee duftet vom Tablett
Die Kippe qualmt
so ist es nett

Nur noch drei Stunden, dann machst du fest
und lädst schnell aus, wenn man dich lässt
Die Sonne steht schon auf Südwest
die Hitze hier
gibt dir den Rest

Da kommt ein Schiff von Süden hoch
Es hat im Rumpf ein böses Loch
Kein Wellenschlag schlägt an ihm hoch
es schwebt vorbei –
es gruselt dich doch

Und es tönt eine Stimme von irgendwo her
du hörst sie genau, und sie sagt zu dir:

Fahr deinen Kahn nicht an die Wand
Fahr in der Mitte, nicht am Rand
Setz nicht dein Schiff in trüben Sand
Behalt dein Leben in der Hand
Das Glück liegt hier und nicht an Land.

Kein Name steht an seinem Heck,
kein Heimathafen, nur dieses Leck
keine Fahne flattert am Brückenhaus keck
da, ein bleiches Gesicht? –
Schon ist es weg

Kein Mensch zu sehen, die Scheiben blind
huscht dort ein Schatten? war’s etwa ein Kind?
Die Winsch ist zerbrochen, die Anker sind
schon lange geborsten und baumeln im Wind

Und es tönt eine Stimme von irgendwo her
du hörst sie genau, und sie sagt zu dir:

Fahr deinen Kahn nicht an die Wand
Fahr in der Mitte, nicht am Rand
Setz nicht dein Schiff in trüben Sand
Behalt dein Leben in der Hand
Das Glück liegt hier und nicht an Land

Das Schiff entschwindet im Handumdreh’n
Du hast’s mit eig’nen Augen geseh’n
Das glaubt dir kein Mensch, was hier gescheh’n
Wem kannst du’s sagen, wer wird dich versteh’n?
Erst Jahre später hörst du die Mär
von dem dunklen Schiff – es war lang her
dass ein schweres Schicksal den Skipper traf,
es geschah in der Nacht, es erwischt‘ ihn im Schlaf
Er verlor Weib und Kind und geistert seither
auf dem Niederrhein immer wieder umher
nicht viele haben ihn passieren sehn
doch allen blieb das Herz fast stehen

Doch wem er erschienen, dem winkte das Glück,
das ihm verwehrt war – so gab er zurück,
was er glaubte den anderen schuldig zu sein
der dunkle Skipper vom Niederrhein

Und es tönt seine Stimme von irgendwo her
du hörst sie genau, und sie sagt zu dir:
Fahr deinen Kahn …

Diesen Song habe ich für meinen Bruder, den Binnenschiffer, zum
50. Geburtstag geschrieben und produziert. Er erlebte 2010 eine stimmungsvolle Premiere auf einem stillgelegten Schiff im Duisburger Hafen, vor einem Dutzend Binnenschiffer und etlichen weiteren Gästen.

___________________________
T&M: Berndt Groll

Die Kommentare sind geschlossen.