Ein ruhiges Viertel, dieses Steglitz
alte Häuser neben neuen,
alte Straßen, alte Bäume
eine Autobahn.
Ein großes Haus in der Wrangelstraße
trägt stolz den Namen „Haus Nazareth“.
1909 von jüdischen Privatpersonen als Jüdische Blindenanstalt
errichtet, um jüdischen Blinden eine Lebensgrundlage zu schaffen.
Bis zu 50 Personen, später auch Gehörlose, lebten hier freiwillig,
behütet und selbstbestimmt – bis 1941, als das Haus beschlagnahmt wurde und alle Insassen das Haus verlassen mussten.
28 Stolpersteine vor dem Eingang
erinnern uns, was im Faschismus hier geschehen ist.
Felix Ansbach, 55 Jahre alt, wurde 1940 nach Brandenburg verschleppt und noch am selben Tag ermordet.
Im November 1941 mussten alle Heiminsassen das Haus Nazareth verlassen. Sie wurden verlegt in die Israelitische Taubstummenanstalt in Weißensee, die von den Nazis als Sammellager benutzt wurde.
Von dort wurden sie dann in die Konzentrationslager gebracht.
Adolf Heustein, 68 Jahre alt, wurde im Juli 1942 ins KZ Theresienstadt verschleppt und dort ein Jahr später ermordet.
Im August 1942 wurden 4 Menschen nach Riga verschleppt und dort sofort umgebracht.
Von September bis Oktober 1942 wurden 18 ehemalige Bewohner des Hauses ins KZ Theresienstadt gebracht, wo die meisten früher oder später starben.
Vier von ihnen starben in Auschwitz.
Die 64-jährige Alice Kirschstein floh vor weiterer Entrechtung und Demütigung im September 1942 in den Tod.
Im Winter 1942/43 wurden die drei letzten verbliebenen Menschen aus dem Haus Nazareth nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht.
Ihr Leben galt als minderwertig
wegen ihres Handicaps
und wegen ihrer Religion
war ihr Tod beschloss’ne Sache schon.
Mit ihnen starben Millionen
Juden, Sinti, Roma auch,
Schwule, Linke, Kommunisten,
kalt und planvoll ausgelöscht.
Ja, sie folgten nur Befehlen
von der deutschen Führungsmacht
Es gibt kein Wort, das das beschreibt,
was einem da entgegenlacht.
Doch, eines: Faschismus.
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T&M: BG
Gewiss hat jeder schon mal einen Stolperstein gesehen, man findet sie immer wieder in der Stadt verstreut. Sie markieren Häuser, in denen früher jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen gewohnt haben, bis sie von den Nazis vertrieben und verschleppt wurden. Vor einem Steglitzer Haus ist eine ganze Reihe dieser Stolpersteine zu finden, 28 Stück in einer Reihe. Als ich das sah, wusste ich: Das ist ein Thema für dich. Die Recherche zu dem Song war erschütternd.
